Die Schlacht auf dem roten Land

Fast dreihundert Jahre, von etwa 1350 an, bestimmte das Feudalgeschlecht der Uchtenhagen das Schicksal der Stadt Freienwalde, bis zum Jahr 1618, da der letzte Erbherr und Junker, Hans IV. von Uchtenhagen, am 21.März ohne Erben starb. Noch viel weiß man in dieser Gegend von den Uchtenhagen zu erzählen, hatte ihnen doch einst das ganze Land ringsum gehört, die Stadt Freienwalde, eine Reihe von Dörfern im Oberbarnim und auch die gegenüberliegende „Insel Neuenhagen“. Wie sie aber zu all diesem Reichtum gekommen sind, davon alte Chroniken und Sagen.

Henning von Jagow war ein fehdelustiger Ritter, der stets im Streit und Kampf mit seinen Nachbarn lag. Nun aber hatte der Markgraf alle Fehden verboten und für das ganbze Land angeordnet, jeder Streit solle nur auf rechtlichem Weg geschlichtet werden. Wer diesen Befehl übertrat, sollte streng bestraft werden. Doch von Jagow richtete sich nicht danach. Da tat ihn der Landesherr in die Acht und erklärte ihn all seiner Habe für verlustig. Es wurde ein Preis auf seinen Kopf gesetzt. Doch nicht gewillt seine Heimat zu verlassen, irrte er unstet umher, unerkannt und namenlos, nur von einer kleinen Schar treuer Knechte begleitet, aber sicher im Schutz der Wälder, und nährte sich von Räubereien, die er besonders in der Gegend von Freienwalde verübte; denn hier hatte seine Höhle. Doch er litt schwer unter seiner Ächtung; es zog ihn zurück unter die Menschen. So trachtete er nach einer Gelegenheit, sich die Gunst des Markgrafen wieder zu erringen.

Diese Gelegenheit bot sich auch bald. der Markgraf war inzwischen in einen Krieg mit seinen mecklenburgischen und pommerschen Nachbarn verwickelt worden. In der Nähe der Sonnenburger Heide kam es zu einer blutigen Schlacht. Sie dauerte fast den ganzen Tag, man focht Mann gegen Mann. Schon wankten die Reihen der Brandenburger, von dem übermächtigen Feind hart bedrängt. da brach plötzlich ein Ritter in schwarzer Rüstung und mit herabgelassenem Visier aus dem Dickicht mit seinem Häuflein getreuer Knechte hervor, fiel den Feinden in den Rücken und brachte sie in völlige Verwirrung. Die Brandenburger bekamen neuen Mut, drangen wieder vor und warfen die Feinde trotz tapferer Gegenwehr vollständig über den Haufen. Diese flohen der Oder zu, doch nur wenige erreichten den Strom. Die Erde färbte sich vom Blut ganz rot. Deshalb heißt diese Stelle noch heute „das rote Land“.

Als die Schlacht glücklich beendet war, ließ der Markgraf den schwarzen Ritter zu sich kommen, dankte ihm für seine Hilfe und fragte ihn nach seinen Namen. Doch der weigerte sich, ihn zu nennen; das tue nichts zur Sache, sagte er. Der Markgraf, der wohl ahnen mochte, wer da vor ihm stand, drang nicht weiter in ihn, sagte aber: „Damit du siehst, dass ich erkenntlich bin, soll alles Land, das du mit deinem Rappen von Sonnenaufgang bis zum Niedergang umreiten kannst, dir gehören. Und weil du aus dem Hagen, aus dem Busch, uns zu Hilfe gekommen bist, sollst du fortab der Ritter ‚Ut dem Hagen’ heißen!“ Darauf schlug er ihn zum Ritter. Und so entstand der Name „Uchtenhagen!.