Die Sage vom Paschenberg

Einst kam der Teufel auf seinen Wanderungen auch nach Falkenberg in der Mark mit seinen prächtigen Wäldern. Der Böse war wie immer schrecklich anzuschauen, mit Pferdefuss und langem Bocksschwanz, feuerglänzenden Augen und Schweinsborsten statt der Haare, mit zwei Hörnern und einer furchtbaren Habichtsnase, dazu grässlich langen Katzenkrallen an der linken Hand an Stelle der Fingernägel. So stieg er den steilen Hang des Berges empor, wo jetzt die Carlsburg steht, um die herrliche Aussicht auf das Oderbruch zu genießen. Schon von weitem entdeckte er mit seinen scharfen Augen ganz oben auf dem Berg einen Mönch in grauer Kutte, anscheinend ganz in Andacht versunken. Das ist einmal ein ganz besonderes Fressen für mich, ein Frommer! dachte der Teufel, und husch, schnell wie der Wind rauschte er auch schon in seinem feuerroten Wams zu dem aufschreckenden Mönch heran.

„Lass uns an die Arbeit gehen!“ fuhr er ihn an. „ Ich mache dir einen Vorschlag, den du als guter Christ nicht abschlagen kannst. Lass uns würfeln! Wer den besten Wurf tut, ist Sieger; verlierst du, gehört mir deine Seele, verliere ich, dann gebe ich dir zehn Christenseelen aus der Hölle frei. Ist das nicht ein guter Vorschlag?“ – „Zehn Christenseelen aus der Hölle frei, zehn Verdammte frei!“ stammelte bestürzt der blasse Mönch – und willigte ein.

Da grinste der Teufel hinterhältig, zog schmunzelnd rasch drei Teufelswürfel au seiner prall gefüllten Tasche und rollte sie über den großen, platten Stein, der gerade neben ihnen lag. „Dreimal Pasch, dreimal die Sechs!“ rief er triumphierend. das war der höchstmögliche Wurf! Der Mönch erzitterte und sandte sehnsüchtig einen Stoßseufzer zum Himmel:

Bewahr mich vor der Höllenpein,
zehn Seelen gilt es zu befreien!

„Nichts da!“ brüllte der Teufel vor Ärger. „Meine achtzehn Augen stehen! Ja, Mönchlein, mit dem Teufel ist schlecht würfeln. Lass dein Geplärr und wirf!“ Da fasste der Mönch Mut und tat den Wurf.

Drei Würfel polterten über den Stein, gespannt verfolgten die beiden ihren Lauf. Dem Mönch aber war es, als durchzuckte ihn leise ein Kraftstrom. – Jetzt lagen die Würfel still. Erstaunt sahen sich beide an: Dreimal Pasch und eine Eins, ein Würfel war zersprungen, und der Splitter zeigte noch eine Eins – das waren neunzehn Augen! Da heulte der betrogene Teufel auf, griff hastig nach seinen würfeln und stürzte sich voller Wut als rotglühender Feuerstrahl in den Abgrund.

Das Volk, das bald von diesem Würfelspiel erfuhr, nannte den Berg den Paschenberg. Und so heißt er bis auf den heutigen Tag.