Die Seelchen

Wenn ich mit offenen Augen und Ohren durch die Natur laufe, sehe und höre ich Dinge, die ich sonst, wenn ich in Gedanken bin, gar nicht bemerken würde. Es zwitschern zum Beispiel manche Vögel besonders schön, fliegen die buntesten Schmetterlinge zu herrlichen Blumen oder es liegen Steine von auffallend schöner Gestalt und Farbe auf dem Weg herum. So fällt mir jedes Mal, wenn ich auf dem Heimweg einen Waldweg benutze, ein bestimmter Stein auf. Seine Form ist der eines kleinen Eies ähnlich, aber etwas abgeflacht, die Oberfläche ist glatt und seine Farbe ist hellgrau mit einigen wenigen kleineren rostbraunen Flecken. Anstatt diesen hübschen Stein mitzunehmen, erfreue ich mich lieber jedes Mal aufs Neue, wenn ich daran vorbeikomme. Doch an einem besonders schönen Frühlingstag im letzten Jahr, ich hatte richtig gute Laune, weil sich auch die Natur von ihrer besten Seite zeigte, da schien der Stein auf einmal ein Gesicht zu haben, welches lächelte. Ich blieb stehen und betrachtete den Stein mit dem Lächeln genauer. Einfach wundervoll! So etwas hatte ich noch nie gesehen. Der Stein lächelte mir zu und auch die Buchfinken in der Nähe zwitscherten auf einmal viel schöner! Selbst der Wind, so hatte ich den Eindruck, wollte mir etwas Gutes tun und wehte mir eine leichte Brise von Waldmeister zu. Diesmal hob ich den Stein auf, umschloss ihn für einige Sekunden mit meinen Händen und steckte ihn dann in meine Hosentasche. Was war das doch für ein herrlicher Tag!! Ich hätte Bäume ausreißen können, so fühlte ich mich! Einfach voller positiver Energie und Tatendrang! Ich behielt den Stein bis zum Abend in der Hosentasche und legte ihn dann unter mein Kopfkissen, weil ich schon den Verdacht hatte, dass irgendetwas Lebendiges den Stein beeinflusst. So würde es sich mir vielleicht im Traum offenbaren! Stattdessen hatte ich erstmal Schwierigkeiten mit dem Einschlafen, ich war bestimmt viel zu aufgeregt wegen des seltsamen Fundes! Doch dann, nach einer ganzen Weile, hatte ich doch noch einen merkwürdigen Traum: Ich war wieder auf dem Waldweg und hielt den Stein in meinen offenen Händen. Da fing der Stein an, zu mir zu sprechen: "Es ist nicht der Stein, der zu dir spricht, ich bin ein Seelchen. Wir Seelchen sind reine Energiewesen, man kann uns überhaupt nicht sehen! Wir leben von den Energien um uns herum und können in allerlei Dinge hinein fahren oder auch für kurze Zeit kleinere Tiere nach unserem Willen lenken. Einen Menschen mit so viel positiver Energie, wie dich, haben wir schon lange nicht mehr gesehen, deshalb sollst du wissen, dass es uns gibt. Wenn du uns sehen könntest, hättest du eine richtige Wolke von uns um dich herum gesehen, so viele wollten deine Energie spüren. Da wir uns von den Energien um uns herum ernähren, reagieren wir auch so, wie die Energien erscheinen. Kommt ein fröhlicher Mensch mit viel positiver Energie, werden wir nur Positives um ihn herum tun. Deshalb fiel dir auch der Stein auf, zwitscherten die Buchfinken schöner und es roch auf einmal nach Waldmeister. Doch wenn ein Mensch schlecht gelaunt ist und negative Energie ausstrahlt, dann widerfahren ihm solche Dinge wie herabfallende Äste, er stolpert über Steine die im Weg liegen, er wird von Vogelkot getroffen oder irgendetwas anderes Schlechtes. Deshalb wundert euch nicht, was ihr alles in der Natur erlebt! Es liegt nur daran, wie ihr gerade drauf seid. Manchmal können wir bei einem traurigen Menschen eine positive Grundhaltung erkennen und werden dann trotzdem etwas Schönes tun, um ihn aufzuheitern. Ansonsten gilt der Grundsatz: Das, was ihr ausstrahlt, werdet ihr auch erfahren!" Ich fragte das Seelchen dann, wie ich es erreichen könnte, denn mir werden bestimmt noch einige Fragen zu den Seelchen einfallen. Da antwortete es: "Verwahre den Stein gut und immer wenn du Fragen hast, die uns betreffen, schreibe sie auf ein Blatt Papier, wickle den Stein darin ein und lege ihn dann wieder unter dein Kopfkissen, so werde ich dir wieder im Traum erscheinen und deine Fragen beantworten, wenn ich kann." Damit endete der Traum. Als ich am nächsten Morgen erwachte, sah ich nach dem Stein unter meinem Kopfkissen. Das lächelnde Gesicht war verschwunden! Jetzt wusste ich: Das Seelchen ist wieder in den Wald zurückgekehrt. Dann schrieb ich mir rasch den Traum auf, denn man vergisst Träume immer so schnell! Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich von nun an alles, was sich auf meinen Wegen um mich herum darstellte, viel genauer wahrnahm, und überall die Streiche der Seelchen dahinter vermutete. Ob wohl in dem Eichhörnchen, das so lange vor mir rumtollte, ein Seelchen gesteckt hat? Warum landete der Schmetterling auf meinem Arm? Auch bei anderen Leuten schaute ich genauer hin, was ihnen passierte und wie sie gelaunt waren. Das hat richtig Spaß gemacht und manchmal musste ich sogar lachen, wenn einer als Antwort auf seine Übellaunigkeit einen Ast ins Gesicht bekam. Kein Mensch kann immer nur gute Laune haben! Wenn ich mal nicht so gut drauf war, bin ich also nun meistens drinnen geblieben oder habe mich beeilt, meine Wege zu erledigen. Aber manchmal hat sich auch meine Stimmung zum Besseren geändert, wenn ich in die Natur hinausging. Können das die Seelchen beeinflusst haben? Da ergaben sich doch gleich wieder ein paar Fragen, die mir die Seelchen beantworten möchten. Ich sollte wohl wieder den hübschen Stein am Abend unter mein Kopfkissen legen! Ich machte mich gleich dran, die Fragen auf ein Blatt Papier zu schreiben: Könnt ihr Seelchen die Stimmung eines Menschen beeinflussen? Gibt es euch auch in Städten oder in geschlossenen Räumen? Gibt es außer mir noch andere Menschen, die euch kennen? Gibt es noch andere Wesen in der Natur, die wir Menschen nicht sehen können? Anschließend wickelte ich den Stein in das Blatt und legte es unter mein Kopfkissen. Den Rest des Tages unternahm ich noch eine kleine Wanderung, um am Abend auch schön müde zu sein. Mein Ziel war der See, welcher bei uns in der Nähe ist. (ca.3km Entfernung) Der Weg führt mich durch schönen Wald. Bei der Gelegenheit beobachtete ich natürlich auch, was so alles um mich herum geschieht. Es war wieder überwältigend, wie viele Dinge mir besonders auffielen. Da waren z.B. zwei Kiefernzapfen(bei uns auch Kien-Äppel genannt), die neben vielen anderen, welche dort wie gesät lagen, übereinander im Moos steckten. Das sah aus, als ob dort ein Zapfenmännlein steht! Oder die Blätter der Robinien, die sich durch eine leichte Brise angetrieben, so komisch bewegten, dass es aussah, als ob sie mir zuwinken wollten. Auch Tiere lenkten wieder meine Aufmerksamkeit auf sich. Eine Bachstelze flog ein gutes Stück des Weges immer vor mir her, so dass ich dachte, sie wollte mir den Weg zeigen. Bei den Kien-Äppeln sausten emsig zwei kleine braune Mäuse hin und her. Sie trugen den Samen, der in den Zapfen steckt, in ihr Mauseloch unter einer Wurzel. Sicher legen sie sich einen kleinen Vorrat an, oder vielleicht wollten sie einfach nur in Ruhe fressen. In der Nähe des Sees versüßte das "Düdlioh, didüalioh" eines Pirols die sonst schon zauberhafte Vogelmelodie des Waldes im Frühsommer noch etwas mehr. Am See angekommen, nahm ich erstmal ein erfrischendes Bad. Ich liebe dieses prickelnde Gefühl, wenn man schon bis zum Hintern im Wasser steht und dann vollständig hinein taucht! Da das Wasser aber noch nicht gerade warm war(höchstens 15° C), blieb ich auch nicht lange drin! Als ich danach noch ein Weilchen still in der Sonne saß, wurde ich von einer Zauneidechse beobachtet, die sich ebenfalls gerade beim Sonnenbaden auf einem in der Nähe befindlichen großen Stein befand. Da ich nun durch die Sonne getrocknet und aufgewärmt war, machte ich mich wieder auf den Heimweg. Unterwegs funkelten mir die ersten reifen Himbeeren in der Abendsonne entgegen. Da konnte ich nicht widerstehen! Die waren echt lecker! Schade, dass ich keinen Behälter mithatte, in dem ich mir welche mitnehmen konnte! Ich nahm mir gleich vor, noch einmal wiederzukommen, um noch mehr von den leckeren Himbeeren zu pflücken. Zu Hause angekommen, hatte ich mir fest vorgenommen, erst ins Bett zu gehen, wenn ich so richtig müde bin, dass ich auch gleich einschlafen kann. Aber dieser Augenblick schien sich immer mehr hinauszuzögern, da ich ja wieder ganz schön aufgeregt war, neugierig auf den Traum, der mich in der Nacht erwarten sollte. Also hörte ich etwas Entspannungsmusik und las noch dazu in dem Buch weiter, dass ich angefangen hatte. Davon werde ich normalerweise recht bald müde. Auch diesmal half es nach einiger Zeit, so dass ich dann ins Bett gehen konnte und auch bald einschlief. Im Handumdrehen befand ich mich wieder auf dem Waldweg. Die Buchfinken und all die anderen Vögel sangen in vertrauter Weise und es roch auch wieder nach Waldmeister! Der Stein, der wie beim letzten Mal in meinen Händen lag, lächelte und sprach dann zu mir: "Sei mir gegrüßt, mein Freund! Schön dass du noch mehr über uns erfahren willst. Ich möchte versuchen, deine Fragen so gut ich kann zu beantworten. Zuerst möchte ich dir sagen, dass wir Seelchen, wenn wir uns gerade vorher sehr stark positiv aufgeladen haben, durchaus in der Lage sind, jemanden in gute Laune zu versetzen. Aber das machen wir nur bei Leuten, die uns als gutherzig bekannt sind und sonst auch meistens eine positive Grundstimmung haben. Jemanden in negative Richtung umzustimmen liegt uns fern, da wir ja am liebsten positive Energie zu uns nehmen. Wenn wir bei einem übellaunigen Mensch negative Energie aufgenommen haben, reagieren wir sie auch meistens noch an dem Selben ab, und sehen dann zu, dass wir wieder positive Energie finden. In den Städten gibt es uns nur ganz selten, höchstens mal in größeren Parkanlagen. Wir vertragen die vielen elektrischen Felder nicht, die es in den Städten gibt. Diese Art von Energie macht uns ganz krank! Deshalb sind wir auch nur ganz selten mal in geschlossenen Räumen anzutreffen. Wenn überhaupt, dann nur dort, wo es keine elektrischen Leitungen gibt. Funkwellen dagegen machen uns nichts aus. Manche von uns machen sich, wenn sie besonders gut drauf sind, den Spaß, und reiten auf den Funkwellen ein Stück mit. Ihr nennt dann so etwas „atmosphärische Störungen". Jetzt zu deinen letzten beiden Fragen: Da es außer dir noch andere sehr positiv gesinnte Menschen gibt, bist du nicht der Einzige, der uns Seelchen kennt. Aber viele sind es noch nicht, denen wir uns offenbart haben. Andere Wesen gibt es natürlich auch noch in der Natur, aber es obliegt uns nicht über sie zu sprechen. Jedes Naturwesen wird sich demjenigen zeigen, der vom Wesen für würdig gehalten wird, mit ihm in Kontakt zu treten. Bist du damit erstmal zufrieden?" Nachdem ich meine Zufriedenheit zum Ausdruck gebracht und mich bedankt hatte, sagte es dann noch: "Du weißt ja wie du mich erreichst. Bleib schön positiv! Bis zum nächsten Mal!" Damit endete dieser Traum und ich schrieb mir morgens schnell wieder alles auf.So verläuft nun mein Leben viel interessanter und auch schöner, manchmal auch lustiger, seit dem ich weiß, wer oder was dahinter steckt. (zumindest bei einigen Dingen) Ich freue mich auch jedes Mal, dass ich durch meine gute Laune den Seelchen zu positiver Energie verhelfe. Versucht doch selbst einmal auf die Dinge zu achten, die euch in der Natur geschehen und überlegt dann, ob sie eurer Laune entsprachen! Wenn ja, war das bestimmt ein Seelchen!