Die teuflischen Brüder

Am Rande von Falkenberg lebten einmal ein Fischer und seine Frau, die noch keine Kinder bekommen hatten. Als sie, wie jeden Tag, abends beim Essen zusammen saßen, sagte die Frau zu ihrem Mann "Meine Zeit zum Gebären ist bald vorbei, lass uns doch noch mal ganz aufrichtig und von Herzen unseren Herrn um ein Kindlein bitten, bevor wir zu Bett gehen." "Ja, das wollen wir machen. " sagte der Fischer darauf und sie beteten vor dem kleinen Holzkreuz, dass an der Wand hing, voller Inbrunst zu Gott und baten ihn um Kindersegen.Das war just zu der Zeit, da der Teufel das Würfelspiel auf dem Paschenberg verloren hatte.Nachdem der größte Zorn verflogen war, dachte der Teufel, dass er wenigstens noch ein anderes Opfer in Falkenberg finden müsste. Also schlich er durch das Dorf und um die Häuser herum, lauschte und schnüffelte überall.Er hörte das Gebet der Fischersleut und fing gleich an, ganz hämisch zu grinsen, denn hier hatte er seine Opfer gefunden. Einen ganz teuflischen Plan hat er dann ersonnen. Gerade als die Fischersleut ihr Gebet mit "Amen" beendet hatten, klopfte es an der Tür, und der Teufel trat herein. "Guten Abend, ihr guten Fischer! Ihr habt schon so oft bei dem da oben für ein Kindlein gebetet, aber er hat euch nicht erhört! Ich aber kann euch helfen. " sagte der Teufel. "Du, der Teufel, willst uns helfen? Da ist doch ein Haken dran!! " erwiderte der Fischer ängstlich. " Ihr müsst nur eure Kinder lieben, lieben bis zum Ende! Wenn ihr sie jemals zu mir schicken solltet, mit Sprüchen wie: Scher dich zum Teufel! oder Geh zur Hölle! oder ähnliches, dann bleiben sie auch bei mir! " stellte der Teufel als Bedingung. Der Fischer schaute seine Frau an und sie lachten sich zu. "Das schaffen wir leicht, " sagte der Fischer zum Teufel "nie sollst du von uns hören, dass wir unsere Kinder zu dir in die Hölle schicken! " Jetzt überlegte er: "Wieso eigentlich Kinder? Uns reicht doch erstmal eins. " "Du nimmst also meine Hilfe an? Nun, so sei es! Deine Frau wird gebären, aber nicht nur ein Kind! Vier stramme Knäblein sollen euch geboren werden. "“ sprach er und verschwand. "Hoffentlich geht das man gut" dachte dieFischersfrau laut.Ihre Befürchtungen wurden war, denn die vier Buben erwiesen sich schon im Mutterleib als rechte Satansbraten! Sie traten und boxten sich, dass die Fischersfrau manchmal nicht wusste, wie ihr geschieht. So ein Teufelswerk! Nach der Geburt und dem Kleinkindalter ging es erst richtig los mit den Schwierigkeiten untereinander. Die vier Brüder konnten sich auf Deibel komm raus nicht leiden und stritten und prügelten sich den ganzen Tag. Da mussten sich Vater und Mutter Fischer so manches Mal den Mund zuhalten, um nicht zu sagen: "Schert euch zum Teufel! " Es war nicht so einfach, diese vier Brüder zu lieben. Als die vier Raufbolde nun groß und kräftig wurden und der Schaden, der bei den Kämpfen untereinander entstand, auch immer größer wurde, sagte der Fischer zu seiner Frau: "So kann es nicht weiter gehen! Diese Kinder bringen uns noch ans Hungertuch oder gleich ins Grab! Wir müssen Hilfe suchen, denn der Teufel soll sie auch nicht bekommen! " Zu dieser Zeit zog gerade ein Zigeunerstamm mit ihren Wagen durch die Gegend. Sie hatten auch eine alte und weise Frau mit, die sich mit Hexerei und Teufelskram auskannte. Der Fischer erfuhr von der alten Zigeunerin und machte sich mit einem Korb voll Fische auf den Weg, um einen Rat von ihr zu holen. Die Alte hörte sich erstmal die ganze Geschichte mit dem Teufel und den vier Satansbraten an. Dann sagte sie: "Dem Höllenfürst haben wir schon so mancherlei Schnippchen geschlagen. Bring mir morgen noch einen Korb Fische und ich werde dir sagen was zu tun ist! " Am nächsten Morgen machte sich der Fischer auf den Weg nach Cöthen, wo die Zigeuner lagerten, um der alten Zigeunerin die Fische zu bringen und zu erfahren, wie es mit seinen Söhnen weiter gehen soll. Doch als er an der Stelle ankam, wo die Wagen standen, war keiner mehr da. Das ganze Zigeunerlager war verschwunden! Sie sind einfach bei Nacht und Nebel weiter gezogen. Gerade wollte er die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und losjammern, da sah er an dem Platz, wo der Wagen der Alten stand, eine seltsame Birke stehen, deren Zweige und Blätter ihn ranzuwinken schienen.. Er ging näher, um sich das mal genau anzusehen und entdeckte eine mit Holzkohle geschriebene Nachricht auf dem Stamm. Er nahm sein Messer raus, schnitt das Stück Birkenrinde vom Baum und las, was darauf stand: Bring deine Söhne beim nächsten Vollmond in den Wald, stelle sie Rücken an Rücken auf und sprich dann die Worte:

Was im Leben zerstritten,
im Hass nur gelitten,
soll jetzt zusammen stehen,
bis viele Jahre vergehen,
soll Nähe ertragen
ohne zu klagen!
Wenn Liebe euch eint zum mächtigen Baum,
soll vorbei sein der furchtbare Traum!
So sei es! So sei es! So sei es!

Am Abend zeigte dann der Fischer seiner Frau das Stück Birkenrinde und sie überlegten, was dabei wohl heraus kommen würde. Doch als die Brüder, wieder einmal sich wild prügelnd, das halbe Haus zerschlugen, war für die Fischersleut klar: Egal was passiert, wir werden den Zauberspruch der alten Zigeunerin benutzen, dass hier wieder Ruhe einkehrt! Beim nächsten Vollmond gab der Fischer seinen Söhnen viel Wein zu trinken, so dass sie bald schläfrig wurden und zum Streiten keine Lust mehr hatten. In diesem Zustand schaffte er es nur mit Mühe, dass die Brüder ihm in den Wald folgten. Weit ist er auch nicht gekommen. Dann stellte er sie Rücken an Rücken auf, wie ihm geheißen, und las den Zauberspruch der alten Zigeunerin. Auf einmal begann es aus dem Erdreich ganz fürchterlich zu zischen und aus den Füßen der Jungen wuchsen Wurzeln, die sich tief und fest in der Erde verankerten. Langsam verwandelte sich von unten nach oben der gesamte Körper jeden Bruders in eine Buche! Da standen sie nun, die vier Buchen, am Fuße zusammen gewachsen, und mussten für immer die Nähe des Anderen ertragen, es sei denn, sie vereinten ihren Wuchs in Liebe zu einem mächtigen Stamm. Das aber haben sie bis heute nicht geschafft! Sie wachsen immer noch von einander weg und hauen sich gegenseitig die Äste um Ohren. Es ist eben echte Teufelsbrut! Der Fischer und seine Frau aber hatten eingesehen: Was von Gott nicht gewollt, kann auch der Teufel nicht recht machen! Der muss sich ja nun die Brüder aus dem Kopf schlagen, denn als Bäume mochte er sie nicht mehr.