Jägerlatein

Ein alter Jäger erzählt: „Ob ihr’s glaubt oder nicht, aber ich muss euch mal von einem Bock berichten, so einer ist mir noch nie vor die Büchse gelaufen!
Schon auf der Fahrt zum Ansitz ist mir aufgefallen, dass die alte Vogelscheuche, die in der Nähe am Feldrand steht, ihren Stahlhelm, den ihr irgendein Witzbold aufgesetzt hat, nicht mehr trägt. `Da werden wohl jetzt die Kinder mit rumrennen` dachte ich so bei mir und fuhr noch das kleine Stück, bis zum Ansitz.
Es war auch allerhöchste Zeit, dass ich oben war und mich schussbereit gemacht hatte, denn jetzt war gerade das beste Büchsenlicht! Ich musste auch gar nicht lange warten, dann trat auch schon der Bock aus dem Dickicht. Aber er schüttelte den Kopf immer hin und her, als ob er etwas loswerden wollte. Als ich durch das Zielfernrohr sah, erkannte ich, dass der alte Rehbock mit dem Stahlhelm der Vogelscheuche kämpfte und ihn abwerfen wollte. Doch der Kinnriemen des Helmes schien fest im Gehörn zu hängen. Wie ein Wilder sprang er rum und schüttelte den Kopf! Erst als er völlig erschöpft stehen blieb, kam ich zum Schuss und konnte den Armen von seinem Elend befreien. Und nun ratet mal, was ich zu sehen bekam, als ich hinging, um ihn aufzubrechen: Im Stahlhelm der alten Vogelscheuche hatte sich ein Schwarm Bienen eingenistet! Da ist es zu verstehen, warum der Bock wie ein Wilder rumgesprungen ist!
So habe ich den besten Schuss, den ich jemals abgefeuert habe, an diesem Abend gehabt!
Neben dem Wildbrett vom Bock habe ich auch noch sage und schreibe 6 Pfund Honig aus dem Stahlhelm geholt. Das war ein Meisterschuss!!